Buchbinderei Köster
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Feb
2010

Die Buchkunst der Wiener Werkstätte

von Franziska Damm
Die Wiener Werkstätte GmbH war eine Produktionsgemeinschaft bildender Künstler. Gründungsmitglieder im Jahr 1903 waren Josef Hoffmann, Koloman Moser und der Industrielle Fritz Wärndorfer, der sich als Kunstmäzen so einen Namen machte.
Ziel der Werkstätte war die Erneuerung des Kunstbegriffes auf dem Bereich des Kunstgewerbes. Sie arbeitete hier mit der Wiener Secession und der Wiener Kunstgewerbeschule zusammen. Produziert wurden sowohl Alltagsgegenstände als auch Schmuck und Möbel. Das Ziel der Künstler war es so die gesamten Lebensbereiche eines Menschen als ein Gesamtkunstwerk künstlerisch zu vereinen. Zeitweise waren die Wiener Werkstätte so erfolgreich, dass Verkaufstellen in New York, Berlin und Zürich eingerichtet wurden. Von 1905 bis 1911 errichtete Gründer Josef Hoffmann das Palais Stoclet in Brüssel und das Sanatorium in Purkersdorf. Die Innenausstattungen stammten damals ausschließlich von der Wiener Werkstätte. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise kam es dann zum Einbruch der Verkaufszahlen, da die Zielgruppe, das Bürgertum, verarmte. 1926 konnte sich das Unternehmen nur knapp durch Ausgleich vor dem Konkurs bewahren. 1932 war der Bankrott dann nicht mehr abzuwenden.


Ein Arbeitsgebiet der Wiener Werkstätte war die künstlerische Gestaltung von Büchern. Von 1903 bis Mitte der 1920er Jahre stellten sie fast ausschließlich Privat- und Luxusbucheinbände her. Schon im Arbeitsprogramm der Werkstätte hieß es:
„Bei unseren Lederarbeiten und Bucheinbänden wird […] auf ein gutes Material und technisch vollkommene Durchführung gesehen. Es ist natürlich, dass unser Dekor nur dort auftritt, wo die Struktur des Materials nicht dagegen spricht. […] Sollten wir vergessen haben, dass die Liebe, mit der ein Buch gedruckt, ausgestattet und gebunden wurde, uns in ein ganz anderes Verhältnis zu demselben bringt, dass der Umgang mit schönen Dingen uns selbst verschönt? Ein Buch soll als Ganzes ein Kunstwerk sein und muß dessen Wert als solches bemessen werden.“

Einer der bedeutensden Buchkünstler und Mitbegründer der Wiener Werkstätte war Carl Otto Czeschka (1878-1960), der den Text einer 1909 erschienen Nibelungen-Nacherzählung von Franz Keim innen komplett gestaltet und mit den für seine Arbeit charakteristischen Illustrationen versehen, die ihn als hervorragenden Sezessionisten und Künstler des Jugendstils ausweisen. Insbesondere die acht Doppelseiten in Tonplattenkolorit und seltenem Golddruck machten den Band so bekannt.
Czeschka war als Maler, Grafiker und Buchkünstler erfolgreich, er entwarf dekorative Objekte aller Art, unter anderem auch den Schriftzug der Zeitung „Die Zeit“, der noch heute verwendet wird. Weiterhin arbeitete an der Wiener Kunstgewerbeschule und war Mitglied der Klimt-Gruppe.

„Was den Rang von Czeschkas "Nibelungen" angeht, so zählen sie zu den Spitzenwerken der Buchillustration schlechthin. Die den Wiener Jugendstil in besonderem Maße kennzeichnende Ornamentik ist hier zu einer nicht mehr zu überbietenden Funktionalität geführt.“ (Hans Ries).

Auch im Bereich der Kinderbuch-Illustrationen war die Institution der Wiener Werkstätte mit Gründungsmitglied Koloman Moser maßgeblich beteiligt. Hier entstanden zahlreiche, anspruchsvoll illustrierte Kinderbücher.


Aber nicht nur Illustrationen waren Teil des Programms der Wiener Künstler, auch Lithographie, die Gestaltung von Einbanddeckeln, Leder- und Leineneinbänden sowie Tunkpapierschubern gehören zu ihren bekannten Werken im Bereich Buchkunst.
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