Buchbinderei Köster
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Jul
2010

Book of Kells: Höhepunkt früh-mittelalterlicher Buchkunst

von Franziska Damm

Irische Mönche waren es, die nach der Völkerwanderungszeit den christlichen Glauben durch ihre Missionierung während des 5. bis 7. Jahrhunderts in Europa verbreiteten. Die uralte irisch-keltische Kultur vermischte sich mit den durch die Mönche von ihren Reisen mitgebrachten Eindrücken. In dieser Zeit, bildeten irische Klöster einflussreiche kulturelle und geistige Zentren Europas. Auf dem Höhepunkt irischer Mönchskultur entstand ihr kostbarstes Werk das Book of Kells.

Es wurde vermutlich im Kloster der Insel Iona, vor der schottischen Westküste, um das Jahr 800 von unbekannten Künstlern geschaffen. Ein erster Hinweis auf seine Existenz findet sich in einem Bericht von 1007 über einen Diebstahl in der Kirche von Kells, in die Prachtschrift »Das große Evangeliar des Columcille, die Hauptreliquie der westlichen Welt« genannt wird. Bald darauf wurde das in Kells vergrabene Buch wieder gefunden. Es blieb in Kells, bis man es aus Sicherheitsgründen nach Dublin brachte. Um 1661 übergab es Henry Jones, Bischof von Meath, dem Trinity College. Seither wird es in dessen Bibliothek in Dublin gehütet und ist heute auch für die Öffentlichkeit zu besichtigen.

Das Book of Kells enthält vor allem die vier Evangelien. Aber auch andere Texte fanden Aufnahme: etwa für das Kloster Kells wichtige besitzrechtliche Urkunden. Der lateinische Text wurde in insularer Halbunziale geschrieben, die wie auch die Illumination einen Höhepunkt irischen Kunstschaffens darstellt.

Einzigartige Fülle von Ornamenten und Farbe

Das Book of Kells enthält so manche Miniatur des frühen Mittelalters, die zu den schönsten zählt, die je geschaffen wurde. Bis auf zwei, sind alle 680 Seiten dieser Handschrift mit einer fast unbeschreiblichen Fülle symbolträchtiger und mystischer Malerei ausgeschmückt, die seit Jahrhunderten Betrachter in ihren Bann zieht. Die Verzierungen sind von einem Einfallsreichtum gekennzeichnet, der noch heute beeindruckt, auch durch die Verbindung verschiedener Kulturen. Neben dem Kreuz als zentralem christlichem Symbol, finden sich viele kunstvolle, ornamentale Verzierungen, Flechtwerk, dessen Ursprünge in der Antike zu finden sind, verknüpft mit keltischen Spiral- und Trompetenmustern.

Wie wissenschaftliche Rekonstruktionen ergaben, war der Zeitaufwand zur Herstellung eines derartigen Prunkwerkes, das ohne Zweifel nicht dem alltäglichen Gebrauch dienen sollte, enorm. Die Klostergemeinschaft der Insel Iona muss reich und bedeutend gewesen sein, denn zur Fertigstellung einer Seite benötigte eine Person schätzungsweise einen Monat. Allein 185 Kälber mussten geschlachtet werden, um aus deren Haut das Pergament für das Buch fertigen zu können. Auch die verwendeten Farben sprechen eine deutliche Sprache: Das wertvollste Pigment, für verschiedene Blautöne benutzt, war Lapislazuli, das man damals nur von einer einzigen Fundstelle in Afghanistan beziehen konnte. Roter Farbstoff wurde aus der Kermesschildlaus gewonnen, die nur im Mittelmeerraum zu finden ist.

Das Book of Kells muss in einem Skriptorium entstanden sein, das nicht nur über großen Reichtum, oder einen großzügigen Gönner verfügt hat, sondern auch die Finessen der Handschriftenherstellung beherrschte, denn nur mit einem äußerst fundierten technischen Wissen und hervorragenden Kenntnissen über vergangene und zeitgenössische Kunst war es möglich, eine solche Fülle künstlerischer und symbolhafter Darstellungen zu schaffen.
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