Buchbinderei Köster
Buchbinderei Köster
Mai
2016

Ausgelesen

von Sabine Zimmermann
Was für andere Menschen „Müll“ ist und aussortiert wird, erweckt Wolfgang Schlett zu neuem Leben.
Von Anfang an reizten den Grafikdesigner Materialien, die an und für sich keinen Wert mehr haben. Er entdeckt auch immer wieder neue Werkstoffe, die er in seine Arbeiten integriert. Seine neueste Entdeckung dabei sind ausrangierte Computerteile, die zum Beispiel auf Buchrücken geklebt werden.

Sein künstlerisches Schaffen begann er zunächst mit Skulpturen aus Holz und Metall. Einige Jahre später, ca. ab dem Jahre 2003 interessierten ihn dann die Unmengen an ausgelesenen und teils ausrangierten Büchern. So entstanden die ersten Buchobjekte.

Betritt man die Wohnung des Künstlers, merkt man sofort, dass er mit Leib und Seele hinter seinen Objekten steht und mit diesen lebt: Bereits im Flur wird man von selbst erschaffenen Skulpturen und Bilder empfangen. Ein Teil davon ist unverkäuflich, da fest in die Wohnung integriert und lieb gewonnen.

Seine Ideen entstehen teilweise schon bevor er die Bücher auswählt, da er ein Thema im Kopf hat. Beispielsweise verwendet er in manchen Projekten nur die Einbände, die lackiert oder gewachst werden.
In diesem Fall ist das Buch selbst verschwunden, aber der Titel bleibt sichtbar. In anderen Projekten nutzt er lediglich die Seiten, die gebeizt, gefaltet und in Kästen geklebt werden. Hinter diesen Arbeiten stehen serielle Aspekte.

In manch einer Anordnung blockt er ganze Bücher auf Holz auf. Hier spielt dann das „Sehen“ des Buches die wesentliche Rolle.

Bei anderen Objekten liefert der Buchinhalt oder der Titel eines Buches die Idee zu einem neuen Projekt. Ein Beispiel hierfür ist eine von Schlett zu einer Bodeninstallation verarbeitete Gesamtauflage von 1911 von Schiller. Diese hat er zu einer 40 m² großen Bodeninstallation in einer Ausstellung zusammengefügt. Nach Ausstellungsende bleiben hiervon nur Bruchstücke über.

In der Regel braucht ein Objekt von Beginn der Idee bis zur Fertigstellung ca. 3 – 4 Wochen.

Seine Werke werden im Turnus von ca. 2 Jahren in einer Berliner Galerie ausgestellt, die er quasi aus der „Not“ mit Freunden aus seiner Zeit in der ehemaligen DDR gegründet hat. Hintergrund hierfür war der Umstand, dass keine Galerie großes Interesse daran hatte die Werke von älteren Künstlern auszustellen. So entstand eine so genannte Produzentengalerie, in der im Rahmen von Frühjahrs- und Herbstsalons auch die Werke anderer Künstler gezeigt werden.

Die Kunst betreibt der ursprünglich gelernte Kunst- und Mathelehrer als Hobby, so dass er nicht auf den Verkauf seiner Bilder und Skulpturen angewiesen ist.


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