Buchbinderei Köster
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Nov
2019

Die Staatsbibliothek zu Berlin - Literaturschatz in der Hauptstadt

von Walton

Fast ein wenig verniedlichend klingt StaBi als Kosename für die größte wissenschaftliche Universalbibliothek in Deutschland, die sich selbst als ein Zentrum für nationale und internationale Literaturversorgung versteht. Finanziert wird die Staatsbibliothek von Bund, Ländern und durch die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ihren hohen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad verdankt die Staatsbibliothek jedoch nicht nur dem Basisbestand von mehr als 11 Millionen Büchern, dem jedes Jahr übrigens durchschnittlich 100.000 Werke hinzugefügt werden, sondern insbesondere den üppigen Sondersammlungen aus dem Weltkulturerbe. Schwerpunkte setzt die Berliner Staatsbibliothek dabei auf Geistes- sowie Sozialwissenschaften und hält Literatur aus jedem Zeitalter, jedem Land und jeder Sprache bereit.

Mehr als 350 Jahre auf dem literarischen "Buckel"

Die heutige Staatsbibliothek zu Berlin - Preußischer Kulturbesitz hat ihre Wurzeln als barocke Fürstenbibliothek aus dem Jahre 1661. Interessant daran ist, dass die ersten etwa 2.000 Bücher aus dem privaten Bestand von Friedrich Wilhelm von Brandenburg, dem Großen Kurfürsten, stammten und bis 1659 lediglich Gelehrten und Gästen zur Verfügung gestellt wurden. Erst 1701 wurde aus der Churfürstlichen Bibliothek zu Cölln an der Spree die Königliche Bibliothek, die unter dem Regime der Fürsten stand. Welche Bücher in dieser Epoche in den Bestand aufgenommen wurden, hing damals vom Gutdünken des jeweils regierenden Herrschers ab.

Der Große Kurfürst
Der Große Kurfürst

Im Jahr 1810 wurde der Bibliotheksbetrieb unabhängig und der Preußischen Staatsverwaltung zugeordnet, was in Kombination mit der Gründung der Berliner Universität für großen Zuwachs bei den Sammlungen sorgte. Im Jahr 1918 galt die Preußische Staatsbibliothek bereits weltweit zu den bedeutendsten Gebrauchsbibliotheken im wissenschaftlichen Bereich.

Im Jahr 1941 wurde das Bibliotheksgebäude Unter den Linden erstmals von einer Bombe getroffen. Um die Bestände vor Kriegsschäden zu schützen, wurden Evakuierungen an 30 Auslagerungsorte durchgeführt. Allein 1,5 Millionen Bände wurden in die amerikanische Besatzungszone im hessischen Kalibergwerk Hattorf gebracht, während der restliche Bestand landesweit in Schlössern und Klöstern verteilt wurde. Nach Kriegsende wurden in den Jahren 1946 und 1947 die Bände aus Hattorf und den anderen Auslagerungsorten unter amerikanischer Besatzung zunächst nach Marburg überführt, im Wilhelmsbau des Landgrafenschlosses aufgestellt und von der Hessischen Bibliothek der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Die Übersiedlung und Rückführung dieser Bestände in die Berliner Häuser erfolgte erst zwischen 1964 und 1968.

Haus I, Unter den Linden
Haus I, Unter den Linden

Während des Zweiten Weltkrieges wurden die Gebäude der Staatsbibliothek massiv beschädigt. Dies und auch die damit verbundene Teilung in Ost und West hemmte die Institution zunächst in ihrem Wachstum, woran auch aktuell noch gearbeitet wird. Heute unterhält die StaBi zwei Standorte und ein Speichermagazin in Berlin, die sich auch thematisch in historischer Forschungsbibliothek und entsprechendem Pendant für die Moderne unterscheiden.

Haus II, Potsdamerstraße
Haus II, Potsdamerstraße

Strikte Organisation bei Verwaltung und Schwerpunkten

Die Staatsbibliothek steht seit 2004 unter der Leitung von Generaldirektorin Barbara Schneider-Kempf. Die Organisation wird durch die Hauptabteilungen für den Bestandsaufbau, der Benutzungsabteilung, der Bestandserhaltung und Digitalisierung sowie der Abteilung für überregionale bibliographische Dienste aufgeteilt. Zusätzlich gehören mit dem Informations- und Datenmanagement und der verwaltenden Zentralabteilung zwei Querschnittsabteilungen zur Organisation, die von zehn Sonderabteilungen unterstützt werden. Die Sonderabteilungen sind mit Fachleuten für Handschriften, Musik, Karten, historische Drucke, Kinder- und Jugendbücher, Zeitschriften sowie Literatur mit Bezug zu Osteuropa, dem Orient oder aber Ostasien besetzt.

Die detailliert strukturierte Organisation ist auch auf die Sondersammlungen zurückzuführen, die 66.700 Musikautographe inklusive Werken von Bach, Mozart und Beethoven sowie 42.170 orientalische Handschriften mit hebräischen Pergamentbibeln und Tora-Rollen beinhalten. Erwähnenswert sind des Weiteren 18.500 Handschriften aus dem Abendland, 321.000 Autographe mit Versionen von Goethe, Kleist oder Lessing und mehr als 1.600 bekannte Nachlässe, unter denen sich neben dem Archiv der Familie Mendelssohn auch Exponate von Bonhoeffer, Eichendorff, Herder, Furtwängler, Hauptmann und Gründgens befinden.

Gutenbergbibel der Staatsbibliothek Genesis
Gutenbergbibel der Staatsbibliothek, Genesis

Historische Drucke und Besonderheiten 

Besonders stolz ist die Staatsbibliothek auf den kostbaren Bestand von 4.500 Wiegendrucken, worunter sich beispielsweise auch die aus Pergament bestehende Gutenberg-Bibel aus den Jahren 1454/1455 befindet. Zu den ältesten Druckwerken der Welt zählen auch die Blockdrucke aus der Ming-Zeit oder die buddhistischen Zaubersprüche aus den Jahren 764 bis 770 sowie eine umfangreiche Sammlung von historischen Bucheinbänden.

Neben den obligatorischen Leihgaben sowie regelmäßigen Ausstellungen und Veranstaltungen können insbesondere die Sondersammlungen bei Besichtigungsführungen in Augenschein genommen werden.


 

Bildnachweise:
Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Gutenbergbibel Gemeinfrei,Wikipedia Commons
2 Fotos der Staatsbibliothek, Unter den Linden und Neubau Potsdamer Straße
mit freundlicher Genehmigung der Staatsbibliothek Preußischer Kulturbesitz

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